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Emile Parisien Quartett 25.10.2019 20.00 Uhr

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Kaum ein Jazzmusiker bekommt derzeit in Europa so viel positive Resonanz wie der französische Sopransaxofonist Emile Parisien. Sein 2018 erschienener Konzertmitschnitt „Sfumato live in Marciac“ (CD und DVD) mit Joachim Kühn am Klavier sowie den Gästen Michel Portal, Vincent Peirani und Wynton Marsalis erntete Begeisterungsstürme: „Eine markante Stimme im zeitgenössischen Jazz“ nannte die ARD Parisien treffend. Arte Metropolis hört einen „Zauberer am Saxofon“, die britische Times „Europas führenden Sopransaxofonisten“ und für den Spiegel ist es ein „Vergnügen, Emile Parisien bei seiner großen Kunst zuzusehen.“ 
Der amerikanische Downbeat hielt es sogar für eine Untertreibung, Parisien auf den europäischen Jazz einzugrenzen, der Rolling Stone bescheinigte ihm, nicht nur der vielleicht beste Saxofonist seiner Generation zu sein, sondern auch eine der aktuell beeindruckendsten Bands zu leiten. Und immer so fort…

Es dürfte also nicht zu hoch gegriffen sein, Parisien als für sein Instrument stilbildenden Künstler zu bezeichnen: Seit Sidney Bechet, John Coltrane und Steve Lacy hat sich keiner mehr so innovativ und konsequent dem Sopransaxofon gewidmet. Keiner hat seither den vibratoreichen, schneidenden, exotischen Ton des Instruments mit derartiger Leichtigkeit vitalisiert, neu kalibriert und ins Zentrum neuer Konzepte gestellt. 

Parisiens neues, wieder im ursprünglichen Quartettformat aufgenommenes Album „Double Screening“ bündelt alle Qualitäten dieses Ausnahmemusikers. Unnachahmlich, wie Parisien hier den Jazz durchleuchtet: Er hinterfragt und erweitert, findet neue Antworten. Altes wird neu definiert und Visionäres lustvoll produziert. 
Darüber hinaus integriert Parisien auch Elemente seiner Heimat, kreiert einen furiosen Mix aus Chanson, zeitgenössischer ernster Musik, französischer und nordafrikanischer Folklore. Sein Spiel strahlt von improvisatorischer Dynamik und Originalität. 

Ein Instrumentalist von Gnaden ist Emile Parisien sowieso. Er muss das nicht vordergründig ausstellen. Wenn er hier mal in expressive Free Jazz-Bereiche vordringt, dann wieder vertrackte Melodielinien in Höchstgeschwindigkeit durcheilt, in komplexen Ideen schwelgerisch verweilt oder das Sopransaxofon ein Stück lang wie eine japanische Shakuhachi-Flöte klingen lässt, ist das ganz große Kunst im Dienste seiner Sache. Und doch geht es nicht um den Solisten, sondern um die Band, die traumwandlerisch zwischen Kompakt und Sensibel mal ruppig und im nächsten Moment wieder geschmeidig gemeinsam navigiert. Das ist genauestens gebaut und doch voller Räume für individuelle Spontaneität. Das ist neuer europäischer Jazz, der seine Traditionen kennt und von da zu Neuland aufbricht: furios, virtuos und in verblüffender Emotionalität.